E-Auto

Unfall mit dem E‑Auto: Worauf es beim Gutachten ankommt

Kurz gesagt

Nach einem Unfall mit einem Elektro- oder Hybridauto kommt es vor allem auf die Hochvolt-Batterie an. Unterboden und Batteriegehäuse müssen genau geprüft und bei Verdacht nach Herstellervorgaben diagnostiziert werden, bevor sich die Reparaturkosten seriös beziffern lassen. Weil Diagnose, Ersatzteile und qualifizierte Werkstätten oft knapp sind, dauert die Reparatur häufig länger, was sich auf Nutzungsausfall und Totalschaden-Risiko auswirkt.

Kfz-Sachverständiger prüft nach einem Unfall den Vorderwagen eines Fahrzeugs

Zuerst die Sicherheit

Ein beschädigtes Elektroauto ist nicht automatisch gefährlich. Trotzdem sollten Sie ein paar Dinge beachten. Leuchtet eine Warnmeldung zum Hochvoltsystem auf, ist der Unterboden sichtbar beschädigt oder haben Airbags ausgelöst, fahren Sie nicht weiter. Berühren Sie keine orangefarbenen Leitungen. Bemerken Sie Rauch, Zischen oder einen beißenden Geruch, halten Sie Abstand und rufen die 112.

Sagen Sie Rettungsdienst, Polizei und Abschleppdienst ausdrücklich, dass es sich um ein Elektro- oder Hybridfahrzeug handelt. Manche Abschlepp- und Verwertungsbetriebe stellen stark beschädigte E‑Autos vorsorglich gesondert ab. Die Kosten dafür gehören bei einem unverschuldeten Unfall zum Schaden.

Die Batterie im Unterboden

Die Hochvolt-Batterie ist das teuerste Bauteil eines Elektroautos und sitzt meist großflächig im Unterboden. Sie ist von einem stabilen Gehäuse umgeben, das aber nicht unverwundbar ist. Ein Aufsetzer auf einem Bordstein, ein Seitenaufprall oder ein Unfall mit einem Pfosten kann das Gehäuse verformen, Halterungen beschädigen oder den Kühlkreislauf undicht machen.

Von außen sieht man davon oft wenig. Deshalb schaue ich mir bei jedem E‑Auto den Unterboden genau an, dokumentiere Kratzer, Dellen und Verformungen am Batteriegehäuse und prüfe die angrenzenden Bauteile. Meine Schulung nach DGUV für Hochvoltfahrzeuge bedeutet nicht, dass ich die Batterie öffne. Sie bedeutet, dass ich weiß, wo ich hinschauen muss und wo die Grenzen einer Sichtprüfung liegen.

Diagnose nach Herstellervorgaben

Ob die Batterie innen Schaden genommen hat, lässt sich nur mit einer Diagnose feststellen. Dazu gehören das Auslesen des Fehlerspeichers, eine Prüfung der Isolation und je nach Hersteller weitere Messungen. Viele Hersteller schreiben genau vor, was nach einem Unfall geprüft werden muss, etwa wenn Airbags ausgelöst haben oder das Batteriegehäuse beschädigt ist. Manche Vorgaben sehen in bestimmten Fällen den Tausch von Bauteilen vor, auch wenn sie äußerlich intakt wirken.

Solange diese Diagnose fehlt, ist jede Kalkulation unsicher. Bei Verdacht ziehe ich deshalb die Diagnose einer qualifizierten Fachwerkstatt hinzu und nehme das Ergebnis ins Gutachten auf. Die Kosten der Diagnose sind Teil der Schadenfeststellung. Bei einem unverschuldeten Unfall trägt sie in der Regel die gegnerische Versicherung.

Wer ein E‑Auto reparieren darf

Arbeiten am Hochvoltsystem dürfen nur Fachkräfte mit entsprechender Qualifikation ausführen. Die Werkstatt braucht außerdem passende Ausrüstung, etwa um das System spannungsfrei zu schalten und die Batterie sicher auszubauen. Nicht jede Werkstatt in Köln erfüllt das, und bei manchen Marken kommen nur wenige Betriebe in Frage.

Das ist auch für die Abrechnung wichtig. Verweist die Versicherung bei fiktiver Abrechnung auf eine günstigere freie Werkstatt, muss diese gleichwertig reparieren können. Fehlt ihr die Hochvolt-Qualifikation für Ihr Fahrzeug, ist der Verweis in aller Regel nicht haltbar. Welche Kürzungen sonst typisch sind, lesen Sie unter Versicherung kürzt das Gutachten.

Moderne Elektroautos stecken außerdem voller Kamera- und Radarsensoren. Nach Schäden an Front oder Heck müssen diese fast immer neu kalibriert werden. Auch das gehört mit Zeit und Kosten ins Gutachten.

Reparaturdauer, Lieferzeiten und Nutzungsausfall

Diagnose, Ersatzteile und Werkstatttermine brauchen bei E‑Autos oft mehr Zeit als bei einem Verbrenner. Batteriekomponenten oder spezielle Karosserieteile haben teils lange Lieferzeiten. Die Reparaturdauer, die ich im Gutachten angebe, berücksichtigt diese Abläufe. Sie ist die Grundlage für Ihren Anspruch auf Nutzungsausfall oder einen Mietwagen.

Verlängert sich die Reparatur, weil Teile nicht lieferbar sind, lassen Sie sich das von der Werkstatt bestätigen. Dann lässt sich auch ein längerer Ausfall begründen. Wie viel Ihnen pro Tag zusteht, erkläre ich im Beitrag Nutzungsausfall, wie viel pro Tag?

Wertminderung und Totalschaden-Risiko

Käufer fragen bei einem gebrauchten Elektroauto besonders genau nach dem Zustand der Batterie. War das Fahrzeug in einen Unfall verwickelt, der den Unterboden betroffen hat, wirkt sich das auf den Preis aus. Das berücksichtige ich bei der Wertminderung.

Weil die Batterie einen großen Teil des Fahrzeugwerts ausmacht, kann ein Batterieschaden schnell zum wirtschaftlichen Totalschaden führen, vor allem bei älteren E‑Autos mit gesunkenem Marktwert. Ein beschädigter Akku bedeutet aber nicht automatisch Totalschaden. Viele Batterien lassen sich modulweise instand setzen. Entscheidend sind der Befund der Diagnose und das Verhältnis der Kosten zum Wiederbeschaffungswert. Auch die 130‑Prozent-Regel gilt für E‑Autos. Mehr dazu unter Totalschaden, was steht mir zu?

Was Sie für die Begutachtung bereithalten sollten

Bei einem E‑Auto hilft mir jede Information über den Zustand vor dem Unfall. Je mehr ich weiß, desto genauer kann ich Schaden und Wert einschätzen.

  • Fahrzeugschein und, falls vorhanden, Serviceheft oder digitale Wartungsnachweise
  • Angaben zur Batterie, etwa ein Zertifikat zum Gesundheitszustand oder die Restgarantie
  • Fotos von Warnmeldungen im Display, die nach dem Unfall angezeigt wurden
  • Rechnungen über frühere Reparaturen, vor allem am Unterboden
  • Den Ladestand und die Reichweite, die das Fahrzeug nach dem Unfall noch angezeigt hat

Auch die Batteriegarantie spielt eine Rolle. Viele Hersteller geben auf die Hochvolt-Batterie eine lange Garantie. Ob sie nach einem Unfall und einer Reparatur erhalten bleibt, hängt oft davon ab, ob nach Herstellervorgaben gearbeitet wurde. Das ist ein weiterer Grund, die Reparatur nur einer qualifizierten Werkstatt zu überlassen.

Hybride und Plug-in-Hybride

Für Hybridfahrzeuge gilt vieles genauso. Auch sie haben ein Hochvoltsystem und eine Batterie, die je nach Modell im Unterboden, unter der Rückbank oder im Kofferraumboden sitzt. Bei Heckschäden schaue ich deshalb besonders genau hin.

Ob reines Elektroauto oder Hybrid, ich begutachte Ihr Fahrzeug dort, wo es steht, in Köln und im Umland, nach Absprache in ganz NRW. Mehr zu meinem Vorgehen finden Sie auf der Seite Gutachten für E‑Autos und Hybride.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen zum Thema

Darf ich mit dem E-Auto nach einem Unfall weiterfahren?

Nur wenn keine Warnmeldung zum Hochvoltsystem leuchtet, kein Airbag ausgelöst hat und der Unterboden unbeschädigt ist. Im Zweifel lassen Sie das Fahrzeug stehen und abschleppen.

Ist ein E-Auto nach einem Unfall automatisch ein Totalschaden?

Nein. Viele Schäden lassen sich reparieren, auch Batterien oft modulweise. Entscheidend sind die Diagnose und das Verhältnis der Reparaturkosten zum Wiederbeschaffungswert.

Kann jede Werkstatt ein Elektroauto nach einem Unfall reparieren?

Nein. Arbeiten am Hochvoltsystem erfordern geschultes Personal und passende Ausrüstung. Für manche Marken kommen nur wenige Betriebe in Frage.

Wer bezahlt die Batteriediagnose nach einem Unfall?

Bei einem unverschuldeten Unfall gehört sie in der Regel zu den Kosten der Schadenfeststellung und wird von der gegnerischen Versicherung getragen.

Onur Karagöz

Unfall gehabt? Rufen Sie mich an.

Ich höre mir an, was passiert ist, und sage Ihnen ehrlich, ob sich ein Gutachten lohnt. Das Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.

Rund um die Uhr erreichbar, auch am Wochenende

0173 6127135 WhatsApp